Literaturhinweise





Lesetipps zu Thailand und Südostasien



 
Robson, Craig: A Field Guide to the Birds of Thailand and South-East Asia. Bangkok (Asia Books) 2008. 544 Seiten, 120 ganzseitige Abbildungen.
ISBN 978 1 84773 447 1
Fast zehn Jahre nach der ersten Ausgabe eines „field guide“ zur Vogelwelt Südostasiens legen Craig Robson und weitere Mitarbeiter ein neues, reich ausgestattetes, aktualisiertes und um umfangreiches Erweiterungen angereichertes Kompendium vor: Das Handbuch umfasst mit 1.327 Arten 76 mehr als die Erstausgabe, enthält zusätzliche 172 Abbildungen und aktualisiert den Band um die jüngsten taxonomischen und nomenklatorischen Weiterentwicklungen der südostasiatischen Ornithologie- welche übrigens erfreulicherweise in dem Band eingangs im einzelnen genau dokumentiert werden.

Nach kurzer Vorstellung der wichtigsten natürlichen Habitate Südostasiens, den Adressen der Vogelschutzvereinigungen der Großregion und ausgewähltem Literaturverzeichnis folgt der erste Kernbereich des Bandes (S. 34-271), die Farbtafeln mit zahlreichen ausgezeichneten Zeichnungen der verschiedenen Familien, Gattungen und Arten mit kurzer Species-Bezeichnung und Hinweisen auf die üblichen Unterschiede zwischen weiblichen, männlichen und juvenilen Individuen in der jeweiligen artspezifischen Ausprägung. Die Farbtafeln bestechen durch aufwendige Gestaltung, präzisen Druck und sorgfältige Beschriftung, sind zugleich trotz der zumeist bis zu 30 Einzelabbildungen noch gut lesbar und ermöglichen eine zweifelsfreie Ansprache der einzelnen Arten im Vergleich. Dort wo erforderlich wird auf die nicht-maßstabsgebundene Darstellung hingewiesen. Alle Tafeln dokumentieren den (noch) großen Artenreichtum der südostasiatischen Vogelfauna, die farbenprächtige Vielfalt der tropischen und subtropischen Groß- und Kleinvögel sowie die enorme Differenzierungsbreite innerfamiliärer Diversität. Gewünscht hätte man sich hier bereits zusätzliche Kurzhinweise auf die hauptsächlichen Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten, auf die ausführlicher erst im nachfolgenden Textteil eingegangen wird.

Im folgenden ausführlicheren Kennzeichnungs-Textteil (S. 272-534) wird vorab auf die einzelnen Familien und ihre Artenvielfalt sowie anschließend auf die einzelnen Vogelarten, ihre zentralen Identifikationsmerkmale, ihre Habitate sowie ihre wesentlichen Verbreitungsgebiete und Brutzeiten, teilweise sogar auf besondere Lautmerkmale („voice“) ihrer Gesänge eingegangen. Sorgfältig notierte Querverweise auf die Bildseiten helfen bei der Zuordnung.

Ein umfangreicher Index, in dem die lateinischen und englischen Speciesnamen gemeinsam erfasst sind, rundet das Werk hilfreich ab.

Insgesamt liegt ein beeindruckendes, brilliant gedrucktes und sorgfältig gestaltetes Buch mit bestens reproduzierten Bildtafeln vor, welches in Kürze zum aktualisierten Standardwerk der Ornithologie in Südostasien avancieren dürfte. Allein das erhebliche Gewicht des gut Din-A-5-formatigen Buches könnte selbst passionierte Ornithologen gelegentlich davon abhalten, es in der Hosentasche mitzuführen.


 
Bangkok Street Atlas. Singapore 2009. Periplus Editions.
ISBN 978-0-7946-0087-7
Endlich! Ein richtig guter Stadtatlas von Bangkok! Ein Atlas, der den Namen verdient, der gut lesbare Karten mit hierarchisch gestaffelten Straßenbreiten, Landnutzungsunterschieden (Gebäude, Straßen- und Grünflächen) und unterscheidbaren Farben bei unterschiedlichen Funktionen aufweist, der punktuelle Signaturen verzeichnet (z.B. Hotels, Restaurants, Museen, Schulen, Tempel, Kirchen, Banken, Büchereien, Botschaften, Brücken, Tankstellen) und der zudem neben den englischen Begriffen und Straßennamen bei den größeren Straßen auch die thailändische Bezeichnung in Thai-Schrift enthält, so dass man anhand seiner auch mit nicht-Englischsprachigen kommunizieren kann. Auch enthält der Atlas administrative Grenzen, Ortsbezeichnungen und die wichtigsten Straßennummern. Auch fehlen ein Straßen-, Gebäude- und Ortsindex nicht. Und die Maßstäbe bewegen sich – je nach Lage des dargestellten Gebietes im Stadtraum – zwischen Übersichtskarten im Maßstab von 1:40.000, Peripherregionen im Maßstab von 1:15.000 und dichtbebauten Stadtarealen im Maßstab von 1.10.0000 – das reicht zumeist hinsichtlich der Darstellungsgenauigkeit aus. Im Stadtkern hätte man sich noch Maßstäbe von um die 1:5.000 gewünscht, aber das könnte ja einer Neuauflage des Werkes vorbehalten bleiben, der eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen ist. Der Atlas verdient großen Absatz!
 

Jürgen Hohnholz, Karl-Heinz Pfeffer (Hg.) (2003): Studium Generale Thailand. Ressourcen, Strukturen, Entwicklungen eines tropischen Schwellenlandes. Tübinger Geographische Studien 137. Tübingen (Selbstverlag).
ISBN 3-88121-066-0
Der vorliegende Band enthält die schriftlichen Fassungen von insgesamt sieben Vorträgen ausgewiesener Fachleute, die in einer Ringvorlesung an der Universität Tübingen gehalten worden sind. Die Organisation oblag dem Geographischen Institut der Universität und dem Institut für Wissenschaftliche Zusammenarbeit in Tübingen. Aus dem Inhalt die einzelnen Aufsätze: a) Thailand: Naturpotenzial – Nutzung und Gefährdung, b) Entwicklungsprobleme und Regierbarkeit des Großraums Bangkok, c) Wirtschaftsboom und ökonomische Krise: Thailands Wirtschaftsentwicklung in den achtziger und neunziger Jahren, d) Interdependenzen der Wald- und Ackernutzung in Nord-Thailand, e) Waldzerstörung im Bergland Nordthailands, f) Tourismus in Thailand. Gegenwärtige Bedeutung, historische Entwicklung, räumliche Verbreitung, g) Isan – Der arme Nordosten Thailands.

 

Valerie Ferguson (ed.) (1999): Best of Thailand. Enjoy the distinctive flavours of a colourful and aromatic cuisine.
Bangkok (Asia Books)

ISBN 1-84215-359-5
Exquisite Rezepte und wunderbare Photos, zudem eine Reihe praktischer Tips für die Herrichtung verlocken zum Selbstkochen der delikaten, herrlich diversifizierten thailändischen Gerichte: Das Spektrum reicht von „Klassikern“ wie Thom Kha Gai und Thom Yam Gai über gebackenen Fisch in Bananenblättern, Tamarinden-Shrimps, roten Chilli-Hühner-Curry und Rundfleisch in Austernsauce bis hin zu Tapiokapudding, gebratenen Bananen, Reispudding und Mango mit Klebreis.

 

His Majesty King Bhumipol Adulyadej (2002): Biography of a Pet Dog. The Story of Tongdaeng
Bangkok (Amarin Printing)

ISBN 974-272-626-4

Tongdaeng ist ein ungewöhnlicher Hund, den Seine Majestät charakterisiert als “different from many others who, after having become an important personality, might treat contempt someone of lower status who, in fact, should be the object of gratitude” – so im Vorwort des auf mehreren Ebenen lesenswerten Buches.

 

Steve van Beek (2001): Bangkok. Einst und Jetzt
Nonthaburi (AB Publications)

ISBN 974-87616-2-2

Nach Vorliegen der englischen Erstfassung des Buches (1999) war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die deutsche Ausgabe den Markt erobern würde: In eindrucksvoller Weise, durch Bild und Text werden in dem vorliegenden Buch Vergangenheit und Gegenwart kontrastiert – angereichert durch Zeitungs- und Meldungszitate. Selbst wenn dem Buch ein überzeugender stringenter „roter Faden“ fehlt: Die Sammlung aussagekräftiger Bilder der Vergangenheit im Gegenüber mit der Gegenwart macht nachdenklich und hilft beim Verstehen der enormen Vielfältigkeit der thailändischen Hauptstadt.

 

Surat Osathanugrah (2001): Vanishing Bangkok
Bangkok (Sawasdee Publishing House)

ISBN 974-272-330-3
Photos – situative, sprechende, typische, fragende, mahnende, lebendige, bewegende – bestimmen den Bildband. Alle Aufnahmen sind in schwarz-weiss gedruckt und sprechen eine beredte Sprache: „Bangkok that I used to know is vanishing quickly before my eyes“ schreibt der Autor, der bekannte Photograph, der sich zwei Jahre lang dem Wunsch widmete, das Verschwinden von Lebenswelten in Bildern festzuhalten.

 

Marc Askew (2002): Bangkok. Place, Practice and Representation.
London (Routledge)

ISBN 0-415-18854-7 (pbk)
“Askew´s study of Bangkok provides the most comprehensive attempt to chart the complex realities of Bangkok, carefully interweaving the history of the city with contemporary developments. It is perhaps most important in its efforts to correct previous overly economic and technological interpretations of Bangkok by using case studies of the lives of the city´s people. It will become an indispensable aid to those readers who are wanting to dig beneath the tourist book images of the city.´ Terry McGee, Institute of Asian research, University of British Columbia” (aus der Ankündigung des Buches).

 

Maurizio Peleggi (2002): The Politics of Ruins and the Business of Nostalgia
Studies in Contemporary Thailand No. 10. Bangkok (White Lotus)
ISBN 974-7534-95-9
Theorie und Praxis der Bewahrung des Kulturerbes in Thailand werden in diesem lesenswerten Buch behandelt. Aufbauend auf den frühen Bemühungen um Konservierung und Erhalt des Kulturguts im 19. Jahrhundert haben sich seit Ende der 1970er Jahre die grundsätzlichen Einstellungen der thailändischen Regierung, auch in Zusammenarbeit mit der UNESCO, verändert. Gerade angesichts des tiefgreifenden Wandels in der thailändischen Gesellschaft seit Ende der 1980er Jahre kommt der Erhaltung von Zeugen der Vergangenheit erhebliche Bedeutung zu – allerdings beschränkt sich das vorliegende Buch in wohltuender Weise nicht allein auf eine Darstellung der oft glorifizierten Präsentation thailändischer Historie, sondern setzt sich kritisch mit verschiedenen Praktiken von Erhalt und Konsum des Kulturerbes auseinander.

 

Komar & Melamid (2000): When Elephants paint. The Quest of two Russian Articts to Save the Elephants of Thailand.
New York (HarperCollins Pubslihers)

ISBN 0-06-095352-7
Elefanten malen? In der Tat – und die Idee dazu hatten zwei russische Künstler, denen nicht nur das eigene Handwerk, sondern auch die Rettung der thailändischen Dickhäuter am Herzen liegen. Der geneigte Leser der Dokumentation des seltenen Unterfangens darf sich glücklich schätzen, bei seiner Interpretation der entstandenen Werke
weder auf thailändische noch andere menschliche Kommunikationswege zurückgreifen zu können ...

 

Monica Lindberg Falk (2002): Making Fields of Merit. Buddhist Nuns Challenge Gendered Orders in Thailand.
Dissertation Göteborg. Göteborg University, Department of Social Anthropology.
Die Doktorarbeit untersucht die vielfältigen Verbindungen und Interaktionen zwischen Religion und sozialem Geschlecht (Gender) in Thailand – und dies aus der Sicht der Nonnen (mae chiis), ihrer Lebensweisen, Arbeit und Bedeutung im thailändischen Buddhismus. Dabei spielen der ungeheure soziale Wandel der Lebensverhältnisse in Thailand, besonders aber die veränderten Rollenwahrnehmungen und –bedeutungen, die sich verändernden Beziehungen zwischen der mae chiis und ihrem sozialen Umfeld die zentrale Rolle im Werk. Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, externen sozioökonomischen Wandel allein verantwortlich zu machen für Sinn, Veränderung und Weiterentwicklung. „For most mae chiis, religious life is expressed as meaningful in itself. Thai women who aspire to become nuns have to be firm in their decisions and they usually make strenuous efforts to reach their goal. A celibate, single life is chosen in preference to married life with children, which they consider to be filled with suffering and attachments and to therefore a hindrance to spiritual development.” (S. 255). Die Rolle der weiterführenden Bildung, die Entwicklung und Gestaltung religiösen Raums („mae chiis at nunneries, together with the laity, create new orders, and become fields of merit for the lay people“, S. 259), die Überschreitung geschlechtergebundener Aktivitäten in der Verbreiterung des Glaubens im thailändischen Buddhismus sind Themen dieser höchst sorgfältigen und anregenden Dissertation, die weit über den speziellen Fokus der vorliegenden Arbeit hinaus behandelt und hinterfragt werden. So wird unter anderem festgehalten: „The nuns consider women and men to have the same potential to transcend gender. … Moreover, the mae chiis do not agree with the widespread notion that only men can reach nibbana but were convinced that women could also attain the ultimate Buddhist goal” (S. 261). Entsprechend schließt die Autorin mit dem weiterführenden Blick auf die Forschungsdesiderata: “The nuns deserve our serious consideration since they are important links in our understanding of contemporary Buddhist societies.” (S. 262).

 

Olli-Pekka Ruohomäki (1999): Fishermen No More? Livelihood and Environment in Southern Thai Maritime Villages.
Studies in Contemporary Thailand 8. Bangkok (White Lotus)

Ein Fischer beschreibt in einem Interview: “In the old days life wasn´t easy either. We had to use sails to move around, but the sea was full of fish. The sea gave us the food we needed, if there was no rice them we´d exchange four kilos of fish for one kilo of rice. These days life has changed a lot. There are trawlers, tourists, the gypsum pier, shrimp farms …. oh, many things. The environment has changed, but not only the environment, daily life has changed. These days you have to buy this and buy that. If you don´t have any money then life is difficult. At the same time there are new opportunities around. You can experience the outside world. Kids these days know a lot more about the outside world than we used to know at their age.” (Ruohomäki 1999: 2).

Ein ungeheuer spannendes Buch! Auf ungewöhnliche Weise eröffnet es tiefe Einblicke in die vielfachen gegenwärtigen Veränderungen der Lebensweisen zweier südthailändischer Gemeinschaften an der Andamanensee – vor dem Hintergrund der weitergreifenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Thailand, widergespiegelt in dem alltäglichen Leben der Menschen auf lokaler Ebene. Dabei geht es um Fragen wie: „Auf welcher wirtschaftlichen Basis steht das Leben der Fischer?“, „Wie veränderten sich traditionelle Wirtschaftsgrundlagen?“, „Welche Konsequenzen haben die wirtschaftlichen Veränderungen für das alltägliche Leben, für die Einkommensquellen, die sozialen Verhältnisse?“, „Welchen Optionen und Problemen stehen die Dorfbewohner gegenüber und wie begegnen sie ihnen?“ und „Wie wird die Zukunft der Fischer aussehen können?“.

 

Thai Künstler um Goethe. 40 Jahre kultureller Austausch
Bangkok 2000 (White Lotus)

40 Jahre Goethe-Institut in Bangkok = 40 Jahre kultureller Austausch mit verschiedensten Facetten von Kunst, Musik, Theater/Pantomime und Film. Zu diesem Jubiläum liegt ein sorgfältig gestalteter, schöner Band mit Einblicken, historischen Dokumenten, reich mit Farbbildern und –darstellungen ausgestattet, vor allem aber einer Vielzahl von Einzelbeiträgen von Künstlern und Darstellern, Beteiligten und Verantwortlichen vor, eine lesenswerte Anthologie von Betrachtungen zu vier Jahrezehnten deutsch-thailändischer Zusammenarbeit.


 


Phakinee W. Solstad (2002): The Thai Seasons
Bangkok

Ein nettes, kleines, lustig in Farbe illustriertes Kinderbilderbuch, welches die thailändischen Jahreszeiten nahebringt – mit anhängenden Übersetzungen der wichtigsten, verwendeten englischen Worte ins Thailändische.

 

Bangkok by Night. Map´n´Guide. Groovy map.
Bangkok 2002

Bangkok hat viele Gesichter! – ein banaler Satz für alle in Bangkok lebenden Expatriats, alle in Bangkok Reisenden, alle, die begierig sind, neue Facetten und Einblicke zu erschließen. Nun gibt es auch eigene Karten zum Entdecken-Helfen. Anregungen zum abendlichen Speisen und Dinieren, Tips für die Abendunterhaltung und das umfassende Entertainment, aber auch weitgehend „normale Sehenswürdigkeiten“ („groovy stuff“, wozu auf der Karte dann etwa die Neilsen Hays Library, das Jim Thompson House, die Siam Society oder das Ratchdamnern Boxing Stadium zu finden sind) sind eingetragen in einen recht griffigen Stadtplan – besonderer thematischer Ausrichtung eben. Auch die Unterhaltungs- und Spaßgesellschaft braucht ihre Orte.

 

Thailand, Vietnam, Laos & Cambodia Road Atlas. 1:1.000.000.
Hawthorn 2000 (Lonely Planet)

Endlich ein handlicher, gut lesbarer, mit Straßennummern versehener, farbig-üppig ausgestatteter und für „westliche“ Reisende in gewohnter Weise aufgezogener Straßenatlas, gerade einmal handspannenhoch und kartographisch bestens ausgestattet! Durch Mehrfarbendruck scheint das Höhenrelief gut erkennbar durch, eingetragen sind Hinweise auf Sehenswürdigkeiten. Zu den wichtigsten Inseln finden sich ebenso wie zu größeren Städten eigene kleine Karten(vergrößerungen); Karten der Eisenbahnstationen sind ebenso beigegeben wie ein kleines Glossar und Ortsregister. Höchst hilfreich und verwendungsfreundlich!

   
Lesetips zu Südostasien
 



Ronald Hill (2002): Southeast Asia. People, Land and Economy
Crows Nest (Allen & Unwin)

Angesichts einer inzwischen großen Vielfalt an länderkundlich-regionalwissenschaftlichen Gesamtdarstellungen zu Südostasien im englischsprachigen Raum mag sich der Leser die Frage stellen, wie sich eine auf den ersten Blick anscheinend „nur weitere“ Regionalkunde positionieren kann. Das erste Hineinlesen macht schnell deutlich: Wie keine andere aktuell verfügbare Überblicksarbeit zur Großregion bietet der vorliegende Band auf ca. 310 Seiten eine sehr kompakte, kenntnisreiche, zugleich spannend geschriebene Analyse der Gegenwartsstrukturen. Dabei wurde in klassischer Manier einer Regionaldarstellung ein bewährter Aufbau gewählt: Bevölkerungsstrukturen und –dynamik, naturräumliche Grundlagen, Klimaverhältnisse, Flora und Fauna – und anschließend ökonomische Systeme und ihre Veränderungen, Landwirtschaft, Industrie und Handel sowie die Urbanisierungsfrage sind bestens aufgearbeitet und mit einer Vielzahl von Karten und Tabellen angereichert. Auf der Grundlage dieses systematischen Überblicks sind Studierende und Lehrende ebenso rundherum informiert wie der bewandertere Laie – der sich nur durch den (wirklich flüssig formulierten) englischen Text leiten lassen muss.

 

Graham Saunders (1998): Tropical Interludes. European Life and Society in South-East Asia.
Oxford (Oxford University Press).

ISBN 983-56-0036-8.
Welche Art von Leben haben die Europäer während der Kolonialzeit in Südostasien geführt? Gängigen Klischeevorstellungen zufolge lebten sie in geräumigen Villen, wurden von einer Vielzahl Diener umsorgt, genossen Tennisparties, Picknicks und lange Abende in lauen Sommertemperaturen in Clubs .... Gewiss, dieses Leben gab es tatsächlich, für manche zumindest, und zumal in der Zwischenkriegszeit, vor allem auch dann, wenn man sich in Begleitung von Ehefrau und Familie für längere Zeit in höheren Positionen in der fernöstlichen Ferne aufhielt. Und Bilder wie diese trugen mit zur Entstehung einer überaus kritischen Wahrnehmung bei, die die Präsenz der europäischen Kolonialmächte allein auf Aspekte der Ausbeutung der Ressourcen und Bevölkerungen, der Ignorierung politischer Rechte und kulturellen Imperialismus´ reduziert. Die Realität war und ist indes anders und wie so oft weitaus differenzierter zu sehen...

Mit diesen Gedanken wird eine ausgesprochen lesenswerte Zusammenstellung sehr unterschiedlicher Berichte von Europäern eingeleitet, die in Südostasien lebten und über ihr Leben berichteten, oft in Briefen an Verwandte und Freunde, aber auch in offiziellen Stellungnahmen, Reiseberichten, Tagebüchern und Autobiographien.

Beim Lesen eröffnen sich uns sehr viel breitere, vielfältigere Wahrnehmungen und Welten als sie mit den eingangs umrissenen Klischees abgebildet werden könnten. Denn das alltägliche Leben der Europäer variierte sehr stark – zumeist in Abhängigkeit von dem sozialen Status, der Beschäftigung, der Aufenthaltsdauer und der Tiefe der Beschäftigung mit dem „Anderen“. Während des Lesens wird uns bewusst, dass unsere Bilder und Vorstellungen von Räumen, Gesellschaften, Kulturen geprägt und erzeugt werden durch selektive Berichte und Eindrücke anderer. Die exotische Landschaft etwa eines tropischen Sandstrandes an der kokospalmengesäumten, azurblauen Küste Südthailands (die tatsächlich so aussieht, wie es die Hochglanzprospekte der Reisebüros verheißen – Bilder also, die uns als typisch vermittelt wurden) bleibt uns in Erinnerung; die drückende Schwüle und Hitze, Sandfliegen und Mücken, Unrat und Abwasser, Tropenkrankheiten und Langeweile – dies haben wir oft schon beim Abflug vergessen.

Jenseits der kolonialen Privilegien entdecken wir beim Lesen des Buches in den gut ausgewählten, höchst unterschiedlichen Einzelberichten die ganze Breite dessen, was in Joseph Conrads kraftvoller Näherung an „den Osten“ zum Ausdruck kommt: „mysterious, resplendent, and sombre, living and unchanged, full of danger and promise“ (S. ix). Wir begegnen den so greifbaren Gedanken eines Missionars: the „drinking water is so warm that it seems to have lost much of its wetness“ (S. ix) oder den Schilderungen der warmen Intensität der Gerüche und Farben tropischer Pflanzen. Und während die Männer zumeist ihrer Arbeit nachgingen – im Büro, in Bergwerken oder Fabriken – mussten die Frauen zu Hause bleiben, nicht selten allein, ohne andere Frauen aus ihren Heimatländern; sie schrieben von „heartrending loneliness“ und „dragging hell“ in a „fearful place“ und dass sie viel erduldeten: „tolerated a life of extreme dullness“.

Zu den faszinierendsten Erlebnissen, immer wieder thematisiert, zählten die – wechselseitigen – Erfahrungen interkulturellen Lernens neuer sozialer und kultureller Zusammenhänge voneinander, darunter die unterschiedlichen Formen und Wirkungen von Konventionen, Prestige, Macht und Hierarchien. Und deutlich wird beim Lesen der Beiträge auch: „Some of these ... give us a sense of the ridiculous, and the fragility and impermanence of the European position“ (S. xii).

Ein lesenswertes Buch, zum Nachempfinden, Nacherleben, Nachdenken.

 

Bodo A. Schieren (1999): Reis. Körnig-Köstliches aus der internationalen Küche.
München (Cormoran)

ISBN 3-517-07947-2
Ungewöhnlich: Ein Buch, das den Leser entführt in eine Vielzahl ungewöhnlicher Gerichte und Rezepte rund um den Reis beginnt mit der Geschichte von Reis, Anbeu, Ernte, Verarbeitung, Reissorten und Ernährungswissen – und beantwortet dabei eine Vielzahl von Fragen, über die man immer schon einmal genauer Bescheid wissen wollte. So etwa: Welche Arten von Reisanbau unterscheidet man, wie sehen die verschiedenen Reissorten aus und wie unterscheidet man sie? Und dann geht das Autorenteam ein auf Reisgetränke, auf zum Reis passende Gewürze und Saucen, erklärt die geeignetsten Garungsarten und erklärt das Essen mit Stäbchen. Anschließend folgen die Rezepte von herrlichen Gerichten aus den verschiedensten Kulturen, in denen Reis tragend auf dem Speisezettel steht: Suppen, Salate, Risottos, Gemüse, Fleischspezialitäten, Sushi und eine Vielzahl von Desserts sind präsentiert – stets mit Rezept, Anleitungen zum Herstellen und wahrhaft exzellenten Photographien! Das einzige, das etwas erstaunt im Buch (vergleichbar interessant aufgemacht), ist der Abschluss. Hier nämlich gehen die Autoren noch auf Tee ein, auf die gängigsten Sorten und ihre Zubereitung. Und das Schlusswort bildet ein Wort aus dem China des 5. Jahrhunderts: „Als der Schüler nach der Wahrheit fragte, zeigte der Meister ihm ein Reiskorn“.

 

Terra aktuell Südostasien (2003). Gotha (Klett-Perthes)
ISBN 3-623-20101-4
Das Heft legt eine Reihe von vor allem für Unterricht und Weiterbildung zusammengestellte Texten, Abbildungen, Karten und Schemata zur aktuellen Wirtschaftsentwicklung in Südostasien vor. Der Gesamtdarstellung der Entwicklungen in Südostasien insgesamt folgen vertiefte Materialien zu Singapur, Thailand, Vietnam und Kambodscha.

 

Tiziano Terzani (2000): Fliegen ohne Flügel. Eine Reise zu Asiens Mysterien.
München (Frederking & Thaler)

„Weil ihm einst ein alter Chinese einen Flugzeugabsturz vorausgesagt hat, entschließt sich Tiziano Terzani zur Neubegegnung mit einer vertrauten Region. Mit allem, was keine Flügel hat, reist er ein Jahr lang durch Südostasien und – über China, die Mongolei und Sibirien – nach Europa. Auf dem Seeweg geht es schließlich zurück nach Singapur. Während dieser großen Reise erspürt der Autor einen völlig neuen Lebensrhythmus. Ohne Zeitdruck kommt Terzani doch überall rechtzeitig an, vor allem in den Herzen der Menschen, die er unterwegs trifft.“ (Buchrückentext)

 
Frauke Kraas, Köln